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Blutungsanomalien

Was ist eine normale Menstruationsblutung?
Dauer: bis zu 8 Tagen
Intervall: zwischen 24 und 38 Tagen
Regelmäßigkeit: Unterschiede im Intervall nicht mehr als 9 Tage
Intensität: Binden oder Tampons müssen meist nicht öfter als alle 3 Stunden gewechselt werden, Binden oder Tampons müssen selten in der Nacht gewechselt werden, pro Zyklus müssen meist nicht mehr als 21 Binden oder Tampons verwendet werden, eine zu schwache Menstruationsblutung ist selten besorgniserregend

Beschwerden

Blutungsanomalien können die Lebensqualität von betroffenen Frauen zum Teil dramatisch einschränken.

Besonders starke Monatsblutungen (Hypermenorrhoe) oder verlängerte Monatsblutungen (Menorrhagie), oft begleitet von krampfartigen oder ziehenden Regelschmerzen (Dysmenorrhoe), und ständige Zwischenblutungen (Metrorrhagie) zählen zu den Blutungsanomalien, welche die größte Belastung darstellen.

Kommt die Monatsblutung zu selten (Oligomenorrhoe) oder bleibt gar völlig aus (Amenorrhoe), ist dies zwar für die betroffenen Frauen oft nicht ganz so störend, kann aber auch durchaus problematisch sein und bedarf meist einer weiteren Abklärung.

Ursachen

Die Ursachen für Blutungsanomalien können vielfältig sein.  Die häufigsten Ursachen sind folgende:

  • Polypen des Endometrium (Gebärmutterschleimhaut)

    • Gutartige Wucherungen der Drüsen innerhalb des Endometriums

  • Myome

    • gutartige Muskelknoten innerhalb der Gebärmutter

    • können in unterschiedlichen Regionen der Gebärmutter gelegen sein

    • vor allem Myome, welche das Endometrium verdrängen (submucöse Myome) verursachen Blutungsstörungen

  • Adenomyose

    • Das Endometrium kleidet nicht nur die Gebärmutterhöhle aus, sondern kommt auch innerhalb der Gebärmutterwand vor

    • Häufig begleitet von Regelschmerzen

    • Auch als Endometriose der Gebärmutter bezeichnet

  • Bösartige Veränderungen und Endometrium Hyperplasie

    • Häufiger bei Frauen > 40 Jahren

  • Störungen der Ovulation (Eisprung)

    • Polycystische Ovarien (PCO-Syndrom)

    • Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs)

    • Störungen des Hormonhaushaltes

      • Hyperprolactinämie

      • Schilddrüsenstörungen

      • etc.

Therapieplanung

Die Therapieplanung ist vor dem Hintergrund der Bedürfnisse der betroffenen Frau zu betrachten. Nach Zusammenschau der bei der Abklärung erhobenen Befunde mit den jeweiligen Symptomen und ihren Einfluss auf die Lebensqualität der betroffenen Frau kann schließlich das individuelle Vorgehen besprochen werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Kinderwunsch.

Zu den grundlegenden Untersuchungen gehören neben der Erhebung der Anamnese (Krankengeschichte) und Symptome, die klinische Untersuchung und der transvaginale Ultraschall. Im Falle von Hormonstörungen oder dem Verdacht von Ovulationsstörungen wird ein Hormonstatus mittels Blutabnahme ermittelt. Der Nachweis einer Blutarmut (Anämie), als Folge von besonders starken (Hypermenorrhoe) oder langen (Menorrhagie) Monatsblutungen, erfolgt ebenfalls über eine Blutabnahme.

Welche Therapieoptionen gibt es?

Zur Behandlung von Blutungsstörungen stehen grundsätzlich zahlreiche Optionen zur Verfügung. Ausschlaggebend für die Wahl der Therapie ist einerseits der Wunsch der Patientin und anderseits die zugrundeliegende Ursache. Medikamentöse Therapien (sowohl hormonell als auch nicht-hormonell) sind oft ausreichend. In gewissen Situationen (insbesondere Myome, Endometriumpolypen, bösartige Veränderungen, …) besteht jedoch die Notwendigkeit einer operativen Sanierung.

Die gängigsten operativen Verfahren, welche auch oft kombiniert eingesetzt werden, sind folgende:

  • Diagnostische Hysteroskopie (Spiegelung der Gebärmutter)

  • Cürettage (Ausschabung der Gebärmutter)

  • Operative Hysteroskopie (Spiegelung der Gebärmutter inkl. Entfernung von Gewebe, insbesondere Myome, große Endometriumpolypen, Verwachsungen innerhalb der Gebärmutter, Sanierung von Uterusfehlbildungen)

  • Laparoskopie (Bauchspiegelung, insbesondere bei Myomen, Adenomyose und Uterusfehlbildungen)

  • Endometriumablation (langfristige Zerstörung der Gebärmutterschleimhaut, meist mittels Hitze)